RÜCKBLICK AUF 12 Monate

Knapp ein Jahr ist vergangen seitdem der Gesetzgeber entschied Cannabis auf Rezept
zuzulassen und somit Kranken eine zusätzliche Therapieoption ermöglichte. Tatsächlich ist aus unserer Sicht eine Menge geschehen seit dem 19. Januar 2017:  Die Verwirrung zur Erstattungsfähigkeit zu Lasten der GKV, die missverständlichen Aussagen zur Preisfestsetzung und - dies vor allem - der Wechsel von Euphorie zur Ernüchterung.
 
Durch eine - nach unserem Dafürhalten falsche und zu - hohe Erwartungshaltung wurde hier ein Wundermittel in den Medien propagiert, welches häufig eher zu Enttäuschungen als zu Therapiedurchbrüchen geführt hat. Aus der Erfahrung des letzten Jahres gilt es festzuhalten:
 
1) Bei "Cannabis" haben wir es auf der Ebene der Wirkstoffe mit zwei verschiedenen Hauptvarianten zu tun:

A) THC-GRUPPE - ausgeprägte Affinität zum CB1 Rezeptor, mit der Folge einer sowohl ausgeprägten muskelrelaxierenden als auch antiemetischen Wirkung. Hier ist zudem mit einer psychotropischen Wirkung zu rechnen.

B) CBD-Gruppe - deutliche schwächere Affinität zu CB1 aber durchaus zum CB2 Rezeptor. Dies hat zu Folge, dass die o.g. CB1 Ausprägungen d e u t i c h schwächer ausgeprägt sind und stattdessen mit einer anxiolytischen und antikonvulsiven Komponente zu rechnen ist.

2) Der Applikationsweg ist entscheidend !

Nach unserer Meinung ein Aspekt, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde: Während die Inhalation Blutspiegelwerte von - grob - 100 µg / ml Werte als Maxima ausweist - ist bei der oralen Gabe mit Werten von 2 - 5 µg / ml zu rechnen. Berücksichtigt man die hohe Lipophilie der Wirkstoffe, verwundert es nicht, dass der Therapieerfolg mitunter trotz progredienter Einnahme erst nach W o c h e n (!) eintritt.  

Kurzum: Weder Vertäufelung noch Heiligsprechung ist mithin in der Therapie mit Cannabis angezeigt, sondern vielmehr Expertise und therapeutisches Gespür!